Caritasverband für den Neckar-Odenwald-Kreis e. V.

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Kinderschutz: Zwischen Bauchgefühl und Fakten

Fachtag der Psychologischen Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Caritasverbandes und der Beratungsstelle für Kinderschutz.

Der diesjährige Fachtag der Psychologischen Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Caritasverbandes fand in Kooperation mit der Beratungsstelle für Kinderschutz des Landratsamtes im Kinder- und Jugenddorf Klinge in Seckach statt. Der Kinderschutz stand im Fokus der Tagung. Frau Prof. Dr. Kathrin Yen und Frau Katrin Gäbel-Jazdi konnten als Referentinnen begrüßt werden. Frau Prof. Dr. Yen ist Ärztliche Direktorin des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg. Frau Gäbel-Jazdi ist Familien- und Traumatherapeutin und leitet das Kinderschutzzentrum in Stuttgart.

Die Wichtigkeit des Themas Kinderschutz zeigte die große Anzahl von rund 120 Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus den Bereichen ambulante und stationäre Jugendhilfe, Kindergarten, Beratungsstellen, Heilpädagogik, Schulen und Therapeuten und Therapeutinnen und Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen. Viele sind in ihrer Arbeit mit Kindern und Familien immer wieder mit Situationen konfrontiert, bei denen sich ein ungutes Bauchgefühl zeigt und der Verdacht der Kindeswohlgefährdung besteht. Hilfestellung zu geben im Umgang mit Verdachtsmomenten war das Anliegen der beiden Referentinnen.

Frau Gäbel-Jazdi erläuterte das seit 2012 gültige Bundeskinderschutzgesetz, das ein frühzeitiges vernetztes Vorgehen aller Akteure, die mit Kindern arbeiten, vorschreibt, mehr Handlungs- und Rechtssicherheit bietet und verbindliche Standards setzt, damit ein aktiver Kinderschutz gewährleistet werden kann. Dieses Gesetz hat zu einem Wertewandel und einer Verbesserung im Kinderschutz durch größere Verbindlichkeit und Vernetzung auf allen Ebenen und einer Stärkung der Elternverantwortung geführt. Die Gesetzesgrundlage ermöglicht es, ein unsicheres Bauchgefühl ernst zu nehmen, wenn eine Kindeswohlgefährdung nicht eindeutig ist.

Frau Gäbel-Jazdi erläuterte Merkmale, die ein Risiko für Gefährdungen darstellen können. Anhand eines Fallbeispiels verdeutlichte sie das fachliche Vorgehen im Sinne von Vernetzung, Kooperation und Nachhaltigkeit durch Handlungssicherheit der beteiligten Familien, Institutionen und Fachleute.

Frau Prof. Dr. Yen erklärte den Nutzen frühzeitiger rechtsmedizinischer Untersuchungen, wenn ein Kind Verletzungen aufweist, die ihm möglicherweise fremdverschuldet von Erwachsenen zugefügt wurden. In Ihrem Institut werden entweder Gewaltopfer direkt untersucht oder Fotos von Verletzungen rechtsmedizinisch ausgewertet. Probleme bei der Begutachtung ergeben sich für die Rechtsmediziner, wenn die ihnen zugesandte Dokumentation fehlerhaft oder unvollständig ist, oder die Fotos nur eingeschränkt beurteilbar sind. Leider muss dann vieles offen bleiben und es besteht infolgedessen wenig Rechtssicherheit. Bei Hinweisen auf Kindesmisshandlung, insbesondere sexuellem Missbrauch, ist eine zeitnahe Untersuchung und Spurensicherung besonders wichtig. Die klinisch-forensische Ambulanz hat einen 24-Stunden-Dienst und behandelt alle Gewaltopfer mit Verletzungen oder biologischen Spuren. Befunde werden gerichtsverwertbar dokumentiert. Zuweisen zur Ambulanz kann jeder. Häufig werden weiterführende Untersuchungen gemacht, z.B. toxikologische Analysen, damit eine forensische Rekonstruktion möglich ist.

Frau Prof. Dr. Yen ermutigte die Teilnehmer, bei Verdachtsmomenten immer wieder kritisch zu hinterfragen und Gewalt an Kindern nicht zu verharmlosen. Die beiden Referentinnen überzeugten durch ihre hohe fachliche Kompetenz und Erfahrung. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nahmen viele hilfreiche Informationen zum Umgang mit dem Verdacht der Kindeswohlgefährdung mit.

Die Beratungsstelle für Kinderschutz ist erreichbar unter der Telefonnummer 06261 84-2077. Die Psychologische Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Caritasverbandes mit der Anlaufstelle gegen sexuellen Missbrauch ist in Mosbach erreichbar unter der Telefonnummer 06261 92010 und in Buchen unter 06281 32550.

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