Caritasverband für den Neckar-Odenwald-Kreis e. V.

Caritasverband für den Neckar-Odenwald-Kreis e.V.

100 Jahre Caritas im Neckar-Odenwald-Kreis

Sozialarbeit, Pflege und Betreuung von Flüchtlingen - Man will jeden Briefkasten erreichen

"Die neue Zeit wird schwere Aufgaben an uns stellen. Die größte Aufgabe aber besteht darin, Not und Elend zu lindern." Diese Sätze des ehemaligen Freiburger Erzbischofs Thomas Nörber sind heute so aktuell wie vor 100 Jahren.

Damals waren diese Worte wie eine Initialzündung für den Mosbacher Pfarrer Franz Roser, der danach die Caritas in der Pfarrei Mosbach gründete - und somit genau das umsetzte, was Dr. Thomas Nörber (1846-1920) gefordert hatte. Dieses 100. Gründungsjubiläum will der Caritasverband für den Neckar-Odenwald-Kreis in diesem Jahr nicht mit vielen Aktionen, sondern mit einem Gottesdienst im September feiern. Im Rahmen eines Pressegesprächs informierten Pfarrer i.R. Werner Bier (Vorsitzender des Caritasverbandes für den Neckar-Odenwald-Kreis), Otto Hitzelberger (stellv. Vorsitzender des Caritasverbandes für den Neckar-Odenwald-Kreis), Bruno Stipp (Vorsitzender des Aufsichtsrats), Geschäftsführer Meinrad Edinger und der ehemalige Geschäftsführer Manfred Nachtigall über die Geschichte, Ziele und Zukunft des Caritasverbands im Neckar-Odenwald-Kreis.

Damals - während des Ersten Weltkriegs - wie heute müsse man laut Edinger da helfen, wo existenzielle Not herrscht. Und zwar nach dem Subsidiaritätsprinzip: Vor Ort sollen die örtlichen Probleme gelöst werden. Und genau deshalb gab es nach 1916 auch in jeder Pfarrei eine Caritas, in der Ordensschwestern - unentgeltlich - die Pflege der Alten und Kranken übernahmen. Die schwierigste "Operation" für den früheren Geschäftsführer Manfred Nachtigall war der Umbruch und die Umstrukturierung dieser Sozialstationen: Statt der Ordensschwestern mussten nach deren sukzessivem Weggang "weltliche" Kräfte gefunden werden, die "im Sinne der Caritas diese Arbeit machen", so Nachtigall. Das Ziel blieb das Gleiche: "Wir wollen jeden Haushalt, jeden Briefkasten erreichen und die Fläche nicht aufgeben", erklärt Meinrad Edinger.

Aber auch in der Flüchtlingsarbeit war man in 100 Jahren Caritasverband Neckar-Odenwald-Kreis immer aktiv und ist dort aktuell auch wieder präsent. Man teilt sich die Aufgaben heute mit dem Diakonischen Werk und dem Deutschen Roten Kreuz. "Hier sind wir vor allem in der Verfahrensberatung tätig", berichtet Edinger. "Die eigentliche Arbeit leisten die Ehrenamtlichen", betont der Caritas-Geschäftsführer noch. Die Schulsozialarbeit ist ein weiteres Steckenpferd des Caritasverbandes. An 21 Standorten im Landkreis sind die Sozialarbeiter der Caritas an Schulen im Einsatz.

360 Mitarbeiter zählt der Verband heute, an über 50 Betriebsstätten im Kreis ist der Verband präsent. Durch die Reform der Seelsorgeeinheiten zählt der Verband noch zehn Vereinsmitglieder (früher waren es die Pfarreien). Das war auch der Grund für die jüngste Umstrukturierung: Die katholischen Sozialstationen Mosbach und Buchen wurden 2014 unter das Dach des Caritasverbandes geholt.

Die Frage - auch das hat sich in 100 Jahren nicht verändert - lautete oft: "Wer zahlt?". Ursprünglich finanzierte die katholische Kirche die Wahrnehmung der Caritas-Aufgaben aus ihren eigenen Mitteln, indem an anderer Stelle gespart wurde. Heute ist es ein Mix aus Kirchen- und kommunalen Mitteln, Zuschüssen von Land, Bund und EU, Zahlungen von Kranken- und Pflegekasse.

Auch in Zukunft will man sich den drängenden Fragen widmen, sich "auf den Auftrag besinnen" (Edinger). ",Not sehen und handeln’, das ist ja nicht nur ein Slogan. Wir müssen uns der Not annehmen und etwas tun", meint Meinrad Edinger. Das gehe bei vielen Dingen nur im Verbund, egal ob es die Betreuung von Flüchtlingen, die Landflucht, der demografische Wandel oder die heutige Arbeitswelt betreffe. "Wir können die Probleme in der Pflege nicht schön reden", bemerkt Edinger noch. "Wir müssen die Situation erkennen und darauf reagieren", sagt auch Werner Bier. Mit der aktuellen Kampagne der Caritas, "Mach dich stark für Generationengerechtigkeit", müsse man präsenter sein und damit auch die Leute wach rufen. Und genau mit diesem Anspruch will man am 18. September auch an den "Ursprungsort" in Mosbach zurückkehren. In der Kirche St. Cäcilia - am Franz-Roser-Platz, nah am Ursprung der 100-jährigen Geschichte des Caritasverbandes im Kreis - soll mit einem festlichen Gottesdienst das Jubiläum der Caritas vor Ort gefeiert werden.

Veröffentlicht in den Fränkischen Nachrichten, 27.06.2016

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